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Die Schneekönigin

Die Lappin und die Finnin

Weihnachtsmärchen von Hans Christian Andersen ( 1805 bis 1875 )

Vor einem kleinen Hause hielten sie an, es war sehr ärmlich; das Dach ging bis zur Erde hinunter, und die Türe war so niedrig, dass die Familie auf dem Bauch kriechen musste, wenn sie heraus oder hinein kommen wollte. Hier war außer einer alten Lappin, welche bei einer Tranlampe Fische kochte, Niemand zu Hause. Das Renntier erzählte Gretchens ganz Geschichte, aber zuerst seine eigene, denn diese erschien ihm weit wichtiger, und Gretchen war von der Kälte so mitgenommen, dass sie nicht sprechen konnte.
"Ach, ihr Armen", sagte die Lappin, "da habt ihr noch weit zu laufen! Ihr müsst über hundert Meilen weit nach Finnmarken hinein, denn dort wohnt die Schneekönigin auf dem Lande und brennt jeden Abend bengalische Flammen. Ich werde ein paar Worte auf einen trocknen Klippfisch schreiben, Papier habe ich nicht, den werde ich euch für die Finnin dort oben mitgeben; die kann euch besser Bescheid erteilen als ich."
Und als Gretchen nun erwärmt worden war und zu essen und zu trinken erhalten hatte, schrieb die Lappin ein paar Worte auf einen trocknen Klippfisch, bat Gretchen wohl darauf zu achten, band sie wieder auf das Renntier fest, und dieses sprang davon. Die ganz Nacht brannten die schönsten blauen Nordlichter; - und dann kamen sie nach Finnland und klopften an den Schornstein der Finnin, denn sie hatte nicht einmal eine Tür.
Da war eine Hitze drinnen, so dass die Finnin selbst fast ganz nackt ging; sie war klein und dabei ganz schmutzig. Sie löst gleich die Kleider des kleinen Gretchens auf, zog ihr die Fausthandschuhe und Stiefel aus, denn sonst wäre es ihr zu heiß geworden, legte dem Renntier ein Stück Eis auf den Kopf und las dann, was auf dem Klippfisch geschrieben stand. Sie las es dreimal, und dann wusste sie es auswendig und steckte den Fisch in den Suppenkessel, denn der konnte ja gut gegessen werden, und sie verschwendete nie etwas.
Nun erzählte das Renntier zuerst seine Geschichte, dann die des kleine Gretchens, und die Finnin blinzelte mit den klugen Augen, sagte aber gar nichts.
"Du bist klug!" sagte das Renntier. "Ich weiß, du kannst alle Winde der Welt in einen Zwirnfaden zusammenbinden; wenn der Schiffer den einen Knoten löst, so erhält er guten Wind, löst er den andern, dann weht es scharf, und löst er den dritten und vierten, dann stürmt es, dass die Wälder umfallen. Willst du nicht dem kleinen Mädchen einen Trank geben, dass sie Zwölf-Männer-Kraft erhält und die Schneekönigin überwindet?"
"Zwölf-Männer-Kraft", sagte die Finnin, "ja, das würde viel helfen!" und dann ging sie nach einem Brette, nahm ein großes zusammengerolltes Fell hervor und rollte es auf. Da waren wunderbare Buchstaben darauf geschrieben, und die Finnin las, dass ihr das Wasser von der Stirn herunterlief.
Aber das Renntier bat so sehr für das kleine Gretchen und Gretchen blickte die Finnin mit so bittenden Augen voller Tränen an, dass diese wieder mit den ihrigen zu blinzeln anfing und das Renntier in einen Winkel zog, wo sie ihm zuflüsterte, währen es wieder frisches Eis auf den Kopf bekam: "Der kleine Karl ist noch bei der Schneekönigin und findet dort Alles nach seinem Geschmack und Gefallen und glaubt, es sei der beste Ort der Welt. Das kommt aber davon, dass er einen Glassplitter in das Herz und ein kleines Glaskörnchen in das Auge bekommen hat; die müssen zuerst heraus, sonst wird er nie ein Mensch, und die Schneekönigin wird die Gewalt über ihn behalten!"
"Aber kannst du nicht dem kleinen Gretchen etwas eingeben, so dass sie Gewalt über das Ganze erhält?"
"Ich kann ihr keine größere Gewalt geben, als sie schon besitzt! Siehst du nicht wie groß diese ist? Siehst du nicht, wie Menschen und Tiere ihr dienen müssen, wie sie auf bloßen Füßen so gut in der Welt fortgekommen ist? Sie kann ihre Macht nicht von uns erhalten, diese sitzt in ihrem Herzen und besteht darin, dass sie ein liebes, unschuldiges Kind ist. Kann sie nicht selbst zur Schneekönigin hineingelangen und das Glas aus dem kleinen Karl bringen, dann können wir nicht helfen! Zwei Meilen von hier beginnt der Garten der Schneekönigin, dahin
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Die Schneekönigin:
1. Geschichte, welche von dem Spiegel und den Scherben handelt.
2. Geschichte: Ein kleiner Knabe und ein kleines Mädchen
3. Geschichte: Der Blumengarten bei der Frau, welche zaubern konnte.
4. Geschichte: Prinz und Prinzessin
5. Geschichte: Das kleine Räubermädchen
6. Geschichte: Die Lappin und die Finnin
7. Geschichte: Von dem Schlosse der Schneekönigin, und was sich später darin zutrug






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Weihnachtsmärchen: Die Schneekönigin - Die Lappin und die Finnin