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Anfag des Weihnachtsmärchens ]
kannst du das kleine Mädchen tragen; setze sie beim großen Busche
ab, welcher mit roten Beeren im Schnee steht, verliere aber nicht viele Worte
und spute dich, hierher zurückzukommen!" Damit hob die Finnin das
kleine Gretchen auf das Renntier, welches lief, was es konnte.
"O, ich bekam meine Schuhe nicht! Ich bekam meine Fausthandschuhe
nicht!" rief das kleine Gretchen, in der schneidenden Kälte, aber das
Renntier wagte nicht anzuhalten, es lief, bis es zu dem Busche mit den roten
Beeren gelangte. Da setzte es Gretchen ab, küsste sie auf den Mund, und es
liefen große Tränen über des Tieres Backen, und dann lief es,
was es nur konnte, wieder zurück. Da stand das arme Gretchen, ohne Schuhe,
ohne Handschuhe, mitten in dem fürchterlich eiskalten Finnmarken.
Sie lief vorwärts, so schnell sie konnte; da kam ein ganzes Heer
Schneeflocken, aber sie fielen nicht vom Himmel herunter, der war ganz klar und
glänzte von Nordlichtern. Die Schneeflocken liefen gerade auf der Erde
hin, und je näher sie kamen, desto größer wurden sie. Gretchen
erinnerte sich noch, wie groß und künstlich sie damals ausgesehen
hatten, als sie die Schneeflocken durch ein Brennglas betrachtet hatten, aber
hier waren sie wahrlich noch viel größer und fürchterlicher,
sie waren lebend, sie waren der Schneekönigin Vorboten. Sie hatten die
sonderbarsten Gestalten; einige sahen aus wie hässliche große
Stachelschweine, andere wie ganze Knoten, gebildet von Schlangen, welche die
Köpfe hervorstreckten, und andere wie klein dicke Bären, auf welchen
die Haare sich sträubten, alle glänzten weiß, alle waren
lebendige Schneeflocken.
Da betete das kleine Gretchen ihr Vaterunser, und die Kälte war so
groß, dass sie ihren eignen Atem sehen konnte, der stand ihr ganz wie
Rauch aus dem Mund; der Atem wurde immer dichter und dichter und gestaltete
sich zu kleinen klaren Engeln, die mehr und mehr wuchsen, wenn sie die Erde
berührten, und alle Helme auf dem Kopf und Spieß und Schild in den
Händen hatten. Ihre Anzahl wurde größer und größer,
und als Gretchen ihr Vaterunser geendet hatte, war da ein ganzes Heer um sie;
sie stachen mit ihren Spießen gegen die gräulichen Schneeflocken, so
dass diese in hundert Stücke zersprangen, und das kleine Gretchen ging
ganz sicher und froh vorwärts. Die Engel liebkosten ihre Hände und
Füße, da fühlte sie weniger, wie kalt es war, und ging rasch
gegen der Schneekönigin Schloss vor.
Aber nun wollen wir erst sehen, wie es Karl geht. Er dachte freilich nicht an
das kleine Gretchen, und am wenigsten, dass sie draußen vor dem Schloss
stand.
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