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Nussknacker und Mausekönig

Die Hauptstadt

Weihnachtsmärchen von E.T.A. Hoffmann ( 1776 bis 1822 )

Nussknackerlein klatschte abermals in die kleinen Händchen, da fing der Rosensee an stärker zu rauschen, die Wellen plätscherten höher auf, und Marie nahm wahr, wie aus der Ferne ein aus lauter bunten, sonnenhell funkelnden Edelsteinen geformter Muschelwagen, von zwei goldschuppigen Delphinen gezogen, sich nahte. Zwölf kleine allerliebste Mohren mit Mützchen und Schürzchen, aus glänzenden Kolibrifedern gewebt, sprangen ans Ufer und trugen erst Marien, dann Nussknackern, sanft über die Wellen gleitend, in den Wagen, der sich alsbald durch den See fortbewegte. Ei, wie war das schön, als Marie im Muschelwagen, von Rosenduft umhaucht, von Rosenwellen umflossen, so dahinfuhr. Die beiden goldschuppigen Delphine erhoben ihre Nüstern und spritzten kristallene Strahlen hoch in die Höhe, und wie die in flimmernden Bogen niederfielen, da war es, als sängen zwei holde feine Silberstimmchen: "Wer schwimmt auf rosigem See? - die Fee! Mücklein, bim bim! Fischlein, sim sim! - Schwäne, Schwa schwa! Goldvogel, tra - rah! - Wellenströme, rührt euch, klinget, singet, wehet, spähet: Feelein, Feelein, kommt gezogen; Rosenwogen, wühlet, kühlet, spület - spült hinan - hinan!" - Aber die zwölf kleinen Mohren, die hinten auf den Muschelwagen aufgesprungen waren, schienen das Gesinge der Wasserstrahlen ordentlich übel zunehmen, denn sie schüttelten ihre Sonnenschirme so sehr, dass die Dattelblätter, aus denen sie geformt waren, durcheinander knitterten und - knatterten, und dabei stampften sie mit den Füßen einen seltsamen Takt und sangen: "Klapp und klipp und klipp und klapp, auf und ab - Mohrenreigen darf nicht schweigen; rührt euch Fische - rührt euch, Schwäne, dröhne, Muschelwagen, dröhne, klapp und klipp und klipp und klapp und auf und ab!" - "Mohren sind gar lustige Leute," sprach Nussknacker etwas betreten, "aber sie werden mir den ganzen See rebellisch machen." In der Tat ging auch bald ein sinnverwirrendes Getöse wunderbarer Stimmen los, die in See und Luft zu schwimmen schienen, doch Marie achtete dessen nicht, sonder sah in die duftenden Rosenwellen, aus deren jeder ihr ein holdes anmutiges Mädchenantlitz entgegenlächelte. "Ach," rief sie freudig, indem sie die kleinen Händchen zusammen schlug, "ach, schauen Sie nur, lieber Herr Drosselmeier! - Da unten ist die Prinzessin Pirlipat, die lächelt mich an so wunderhold. - Ach, schauen sie doch nur, lieber Herr Drosselmeier!" - Nussknacker seufzte aber fast kläglich und sagte: "O Demoiselle Stahlbaum, das ist nicht die Prinzessin Pirlipat, das sind Sie und immer nur Sie selbst, immer nur ihr eignes holdes Antlitz, das so lieb aus jeder Rosenwelle lächelt." Da fuhr Marie schnell mit dem Kopf zurück, schloss die Augen fest zu und schämte sich sehr. In dem selben Augenblick wurde sie auch von den zwölf Mohren aus dem Muschelwagen gehoben und an das Land getragen. Sie befand sich in einem kleinen Gebüsch, das beinahe noch schöner war als der Weihnachtswald, so glänzte und funkelte alles darin, vorzüglich waren aber die seltsamen Früchte zu bewundern, die an allen Bäumen hingen und nicht allein seltsam gefärbt waren, sonder auch ganz wunderbar dufteten. "Wir sind im Konfitürenhain," sprach Nussknacker , "aber dort ist die Hauptstadt." Was erblickte Marie nun! Wie werd` ich es denn anfangen, euch, ihr Kinder, die Schönheit und Herrlichkeit der Stadt zu beschreiben, die sich jetzt breit über einen reichen Blumenanger hin vor Mariens Augen auftat. Nicht allein dass Mauern und Türme in den herrlichsten Farben prangten, so war auch wohl, was die Form der Gebäude anlangt, gar nichts ähnliches auf Erden zu finden. Denn statt der Dächer hatten die Häuser zierlich geflochtene Kronen aufgesetzt und die Türme sich mit dem zierlichsten buntesten Laubwerk gekränzt, das man nur sehen kann. Als sie durch das Tor, welches so aussah, als sei es von lauter Markronen und überzuckerten Früchten erbaut, gingen, präsentierten silberne Soldaten das Gewehr, und ein Männlein in einem brokatnen Schlafrock warf sich dem Nussknacker an den Hals mit den Worten: "Willkommen, bester Prinz, willkommen in Konfektburg!" Marie wunderte sich nicht wenig, als sie merkte, dass der junge Drosselmeier von einem sehr vornehmen Mann als Prinz anerkannt wurde. Nun hörte sie aber so viele feine Stimmchen durcheinander toben, solch ein Gejauchze und Gelächter,
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Nussknacker und Mausekönig:
1. Der Weihnachtsabend
2. Die Gaben
3. Der Schützling
4. Wunderdinge
5. Die Schlacht
6. Die Krankheit
7. Das Märchen von der harten Nuss
8. Fortsetzung von dem Märchen mit der harten Nuss
9. Beschluss des Märchens von der harten Nuss
10. Onkel und Neffe
11. Der Sieg
12. Das Puppenreich
13. Die Hauptstadt
14. Beschluss






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