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Weihnachten auf einem livländischen Pastorat

Weihnachtsgeschichte von Monika Hunnius - Seite 2

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Die Massen von Kümmelkuchen verschwinden, endlose Kannen von Milch und Kaffee werden getrunken unter Lachen und Jubel. Englisch und deutsch, alles wird durcheinander gesprochen, der Pastor sieht mich dazwischen ratlos an: "Können drei Menschen solchen Lärm vollführen?" fragt er mich leise. "Aber", fügt er strahlen hinzu, "es ist herrlich!"
Nach dem Kaffee wird das Pastorat besehen; wir gehen durch alle Räume. Welche Fülle von schönen, frohen Erinnerungen leben in diesem Zimmer! Schon der Vater des jetzigen Pastors war hier Prediger, mit einer großen, fröhlichen Kinderschar. Ich war häufiger Gast und lebte goldene Ferienwochen unter diesem Dach. Nun waren sie alle in die Welt verstreut, hatten ihre eigenen Häuslichkeiten, in die sie viel von der Liebe und der Freude des Elternhauses getragen hatten. Wir kommen auch in die Küche, und die Jugend lacht über die riesigen Holzklötze, die in dem mächtigen Ofen verschwinden, auf dem schon das Abendessen steht. Die estnischen Leute stehen strahlend und aufgeregt umher und werden begrüßt.
Nach dem Abendessen versammeln wir uns um den runden Tisch im Wohnzimmer; wir sollen die Nüsse für den Weihnachtsbaum vergolden. Das Wohnzimmer ist behaglich und altmodisch, gefüllt mit wundervollen Mahagonimöbeln. An der Wand steht ein langer Flügel aus alter Zeit, von der Decke hängt ein herrlicher Empirekronleuchter herab. Von den Wänden schauen Darstellungen aus der Bibel in schwarzen Rahmen, und die Bilder von Melanchthon und Luther sehen ernst auf unser fröhliches Treiben. Die beiden Fensterbretter sind voller Blumen; durch die Fenster funkelt die eisige Winternacht. Ein unbeschreibliches Behagen, eine weltfremde Abgeschlossenheit liegt in dem großen Raum. Die Nüsse werden an grüne Fäden befestigt und vergoldet. Bei der Arbeit singen wir mehrstimmige Weihnachtslieder. Meine Jugend schmückt sich mit den goldenen Nüssen; an den Ohren, in den Haaren funkeln sie. Der Pastor sieht von einem zum andern und nickt mir heimlich zu. Eva mit dem liebreichen hellen Gesicht, das von goldbraunen Löckchen umgeben ist, Tempe mit dem schmalen, dunklen, fremdländischen Antlitz und Bobbi mit den englischen Rassezügen und den dunklen Augen, in denen ein merkwürdig zärtliches Licht liegt.
Ich treibe sie alle früh in die Betten. Sie sollen ausschlafen, denn viele leuchtende Tage liegen noch vor uns.
Und leuchten waren die Tage, die nun kamen. Es dauerte lange, bis der stille Pastor sich an dies stürmische Leben gewöhnte.
"Du wirst doch nicht krank werden?" sagte ich eines Tages zu ihm, als er ganz blass und still in seinem Zimmer saß.
Er lächelt. "Lass mit Zeit", sagte er, "es ist mir noch alles zu stark und zu hell, ich muss mich erst daran gewöhnen."
Mit großartiger Gastfreundschaft machte er jeden Tag zu einem Festtag. Sein Pferde wurden ganz mager, so viel mussten sie mit uns spazieren fahren. Küche und Keller lieferten ihr Bestes, und die Berge von Gebäck und Süßigkeiten standen jeden Tag auf dem Tisch im Wohnzimmer.
Wir wanderten über die verschneite Landstraße, wir lieferten uns Schneeballschlachten in den Wäldern; wir zündeten bengalische Flammen im verschneiten Garten an, der in märchenhafter Schönheit erglühte.
Abends sangen wir den Pastor in den Schlaf, sangen Weihnachtsoratorien von Bach mit allen Chören und Soli.
Eines Tages sagt der Pastor: "Ihr müsst den Weihnachtsbaum aus dem Walde holen, sucht die schönste Tanne aus!"
In mehreren kleinen Schlitten fahren wir ab, auf tiefverschneiten Wegen geht`s in den Wald hinein. Wir müssen aussteigen, die Pferde werden an die Bäume gebunden. Wir werden geführt von zwei Knechten mit blinkenden Beilen, durch einen Graben müssen sie uns tragen. Endlich sind wir in einer Schonung, wo die schönsten Tannenbäume stehen. Die Entscheidung fällt schwer, jeder will einen anderen Baum haben. Nun soll ich entscheiden, und ich entscheide. Die Axthiebe klingen durch den stillen Wald, die Tanne zittert unter den
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