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Rotkehlchen

Weihnachtsgeschichte von Heinrich Seidel - Seite 8

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Er klopfte jetzt und ward durch einen schmalen Türspalt hineingelassen.
"Ich habe doch was blinken sehen," rief Regina triumphierend.
Wendulas Gesicht war von der eifrigen Tätigkeit rosig angehaucht und ihre dunklen Augen strahlten. Sie hatte die Ärmel ein wenig aufgestreift, dass die schönen weißen Arme zur Hälfte sich zeigten. Die Grundlage alles Tannenbaumaufputzes, die Silber - und Goldäpfel, hatte sie bereits angehängt, und diese schimmerten freundlich aus dem dunklen Grün hervor. Herr Dusedann packte seine Schachtel aus. Es waren lauter Vögel darin, Marzipan -, Zucker - und Schokoladenvögel, die er mit großer Mühe aus allen Zuckerwarenfabriken und Konditoreien der Stadt zusammengesucht hatte, Papageien, die sich in Ringen schaukelten, Schwäne, Gänse, Enten, Hühner, Kanarienvögel und alles mögliche. Zu seinem großen Bedauern hatten aber die buntesten und prächtigsten dieser wohlschmeckenden Tiere mehr aus einer exotischen Zuckerbäckerphantasie ihren Ursprung genommen, als dass sie treue Nachbilder der Wirklichkeit gewesen wären. "Wie würden sie nun dies Geschöpf nennen?" sagte er und hielt ein solches Gebilde empor, "Fasanen-Möwen-Schwan-Geier ist die kürzeste Bezeichnung, denn von allem ist was drin."
"Ich nenne ihn Piepvogel," sagte Wendula, "und hängte ihn an den Tannenbaum."
Er beteiligte sich an dieser Arbeit, stellte sich aber ein wenig ungeschickt dabei an. "Wir wollen uns die Arbeit teilen," sagte Wendula, "ich hänge an und sie reichen mir die Sachen zu."
Herr Dusedann war zufrieden. Aber war es notwendig, dass bei diesen Verrichtungen die Hände sich so oft trafen und die Augen so lange aneinander hafteten? War bei den Beratungen über den besten Ort für irgend einen Gegenstand es gar nicht zu vermeiden, dass die Schultern sanft aneinander ruhten und die Hände sich wieder begegneten? Was sollte es bedeuten, dass beide so oft lachten über Dinge, die nichts Komisches an sich hatten, und dann wieder bei einer ähnlichen Gelegenheit ohne jeden ersichtlichen Grund verstummten? Seit wann bedurfte Wendula, eine so behände Persönlichkeit, unbedingt der Hilfe, um auf einen Stuhl zu steigen, und fraglos der Unterstützung, wenn sie wieder herab wollte?
Endlich hatte sie die letzten Lichter an dem oberen Kranz der Zweige befestigt, stand auf ihrem Stuhl und betrachtete ihr Werk. "Nun ist alles fertig!" sagte sie mit einem kleinen Seufzer.
"Wie schade!" meinte Herr Dusedann. Dann sahen sie sich in die Augen und er reichte ihr die Hände, um ihr beim Absteigen behilflich zu sein.
Die beiden Kinder waren anfangs ganz erstarrt, allein dies ging bald in ausgelassene Lustigkeit über, sie sprangen beide jauchzend im Zimmer herum, der Papagei sang und pfiff, blies, krähte, bellte und trompetete, und Herr Dusedann musste bald mit der einen, bald mit der anderen herumtanzen, so dass Herr Roland sich zuletzt in komischem Entsetzen die Ohren zuhielt.
Als nun zuletzt die große Kiste ankam und die Bescherung losging, und Herr Roland seinen Papagei feierlich zurückgeschenkt erhielt, da war ein solcher Überfluss von Liebe, Glück, Dankbarkeit und anderen schönen Empfindungen an diesem Orte vorhanden, dass es ein wahres Wunder war, wie das alles in der engen Wohnung Platz fand.
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