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Ein Weihnachtabend

Gabrielens Christabend

Weihnachtsgeschichte von Ottilie Wildermuth - Seite 2

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Das war ein prächtiger Lichterglanz, der drüben aus dem großen Salon strahlte, als der Papa eintrat mit seinem Töchterlein, hinter ihnen die Köchin, der Gärtner, Johann, der Hausbediente, das Stubenmädchen und das Mädchen, die zu Gabrieles Pflege und Bedienung da war. "Ah, wie schön!" riefen die Leute halblaut beim Anblick der herrlichen Sachen auch Gabriele lächelte und ließ sich überall hinführen; nur gar still war die Freude des kranken Kindes und der Mutter Augen füllten sich mit Tränen, so oft sie es ansah.
Von den hohen Fenstern des Salons, die sorgfältig verwahrt waren, war aus versehen nur Eines unverhüllt geblieben; durch dies eine Fenster schien der volle, helle Lichtglanz hinaus in das beschneite Gärtchen. Draußen stand ein armes, halberfrorenes, kleines Mädchen, das sich durch das offenen Gartenpförtchen hereingeschlichen hatte; dass stand und schaute und fühlte nicht mehr, wie der Schnee dichter und dichter hernieder fiel und sie fast zu einem Schneefräulein machte; es blickte nur hinein in die helle Herrlichkeit, die strahlenden Kerzen, die glänzenden Puppen und Spielsachen, - hätte es das kleine Mädchen nicht so gefroren, sie hätte wohl geglaubt, sie stehe schon vor der Himmelstür. Da lehnte sich das schöne, blasse Kind drinnen im himmelblauen Kleid müde ans Fenster; der armen Margret kam sie vor wie das Christkind selber und sie streckte die Arme sehnsüchtig nach ihr aus. Gabriele sah das fremde Kind draußen und winkte ihm; Margretchen wollte näher treten, aber sie war betäubt und müde von dem langen Umherlaufen in der Kälte; sie fiel zu Boden und der Schnee rieselte fort und fort nieder und deckte die arme Kleine zu mit einer weißen, kalten Hülle.
Gabriele wusste kaum, ob sie recht gesehen hatte. "Mutter, Mutter!" rief sie, "da draußen liegt ein Kind, ein kleines Mädchen, ganz im Schnee. Mutter, ist das nicht ein Schwesterlein, das das Christkind für mich schickt?"
"Was fällt dir ein, Kind?" sagte die Mutter, "wo wird denn jetzt in der Nacht ein Kind herkommen? Setz dich doch nieder!"
"O, Mutter, schick doch hinaus! Ich sehe es jetzt auch nicht mehr; es könnte ja sterben!"
So wurde Johann hinausgesandt mit einer Laterne; er sah das Mädchen liegen und rief dem Stubenmädchen, dass sie komme und ihm die Laterne halte, und bald kamen sie herein; Johann trug das ganz erstarrte Kind, das noch halb mit Schnee bedeckt war, auf den Armen. Margrets Augen waren geschlossen, aber ihr Mund lächelte, sie hatte ja geglaubt, sie habe das Christkind gesehen.
"O, Vater," rief Gabrielchen viel lebhafter als seit langem, "Vater, lass es doch wieder lebendig machen! Das ist gewiss das Schwesterlein, das mir das Christkind schickt!"
"Das Kind ist noch warm und sein Herz schlägt," sagte der Vater, als er es anrührte; "das ist gewiss leicht zu erwecken. Tragt es nur in die obere Stube und Johann soll zum Doktor. Wenn es der liebe Gott vor unsere Türe gelegt hat, so wollen wir es nicht verstoßen."





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Ein Weihnachtabend:
1. Ein Weihnachtabend
2. Margretchen allein
3. Gabriele
4. Margret verirrt sich wieder
5. Gabrielens Christabend
6. Das Schwesterlein






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