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Kapitelanfang der Weihnachtsgeschichte ]
Das war ein prächtiger Lichterglanz, der drüben aus dem großen
Salon strahlte, als der Papa eintrat mit seinem Töchterlein, hinter ihnen
die Köchin, der Gärtner, Johann, der Hausbediente, das
Stubenmädchen und das Mädchen, die zu Gabrieles Pflege und Bedienung
da war. "Ah, wie schön!" riefen die Leute halblaut beim Anblick
der herrlichen Sachen auch Gabriele lächelte und ließ sich
überall hinführen; nur gar still war die Freude des kranken Kindes
und der Mutter Augen füllten sich mit Tränen, so oft sie es ansah.
Von den hohen Fenstern des Salons, die sorgfältig verwahrt waren, war aus
versehen nur Eines unverhüllt geblieben; durch dies eine Fenster schien
der volle, helle Lichtglanz hinaus in das beschneite Gärtchen.
Draußen stand ein armes, halberfrorenes, kleines Mädchen, das sich
durch das offenen Gartenpförtchen hereingeschlichen hatte; dass stand und
schaute und fühlte nicht mehr, wie der Schnee dichter und dichter
hernieder fiel und sie fast zu einem Schneefräulein machte; es blickte nur
hinein in die helle Herrlichkeit, die strahlenden Kerzen, die glänzenden
Puppen und Spielsachen, - hätte es das kleine Mädchen nicht so
gefroren, sie hätte wohl geglaubt, sie stehe schon vor der
Himmelstür. Da lehnte sich das schöne, blasse Kind drinnen im
himmelblauen Kleid müde ans Fenster; der armen Margret kam sie vor wie das
Christkind selber und sie streckte die Arme sehnsüchtig nach ihr aus.
Gabriele sah das fremde Kind draußen und winkte ihm; Margretchen wollte
näher treten, aber sie war betäubt und müde von dem langen
Umherlaufen in der Kälte; sie fiel zu Boden und der Schnee rieselte fort
und fort nieder und deckte die arme Kleine zu mit einer weißen, kalten
Hülle.
Gabriele wusste kaum, ob sie recht gesehen hatte. "Mutter, Mutter!"
rief sie, "da draußen liegt ein Kind, ein kleines Mädchen, ganz
im Schnee. Mutter, ist das nicht ein Schwesterlein, das das Christkind für
mich schickt?"
"Was fällt dir ein, Kind?" sagte die Mutter, "wo wird denn
jetzt in der Nacht ein Kind herkommen? Setz dich doch nieder!"
"O, Mutter, schick doch hinaus! Ich sehe es jetzt auch nicht mehr; es
könnte ja sterben!"
So wurde Johann hinausgesandt mit einer Laterne; er sah das Mädchen liegen
und rief dem Stubenmädchen, dass sie komme und ihm die Laterne halte, und
bald kamen sie herein; Johann trug das ganz erstarrte Kind, das noch halb mit
Schnee bedeckt war, auf den Armen. Margrets Augen waren geschlossen, aber ihr
Mund lächelte, sie hatte ja geglaubt, sie habe das Christkind gesehen.
"O, Vater," rief Gabrielchen viel lebhafter als seit langem,
"Vater, lass es doch wieder lebendig machen! Das ist gewiss das
Schwesterlein, das mir das Christkind schickt!"
"Das Kind ist noch warm und sein Herz schlägt," sagte der Vater,
als er es anrührte; "das ist gewiss leicht zu erwecken. Tragt es nur
in die obere Stube und Johann soll zum Doktor. Wenn es der liebe Gott vor
unsere Türe gelegt hat, so wollen wir es nicht verstoßen."
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