Nikolaus-Weihnachten.de - Weihnachtsgeschichten, Weihnachtsgedichte, Weihnachtsbilder, ...
Impressum
  
   Weihnachtsgeschichten
   Weihnachtsgedichte
   Weihnachtslieder
  
   Weihnachtsbilder
   Weihnachtsgeschichte
   Weihnachtsmarkt
   Winterbilder
   Weihnachtsmotive
  
   Die
   Weihnachtsgeschichte
   Die
   Nikolauslegende

   Biefe an den
   Weihnachtsmann

   Weihnachten im Internet





Am See und im Schnee

I. Am See.

Weihnachtsgeschichte von Heinrich Seidel - Seite 5

[ zurück zum Kapitelanfang der Weihnachtsgeschichte ]

In diesem Gehölze, das nicht gerade nach strengen Gesetzen der Forstwirtschaft behandelt wurde, darum aber desto lieblicher und voller Abwechslung war, befand sich auch eine Anzahl von stattlichen, wilden Obstbäumen, und als sie nun an einen solchen gelangten, der eine Fülle gelblicher Holzbirnen in das Gras zu seinen Füßen gestreut hatte, da erschien Hella dieser Ort mit seinen mannigfachen Gaben fast wie ein Märchenwald, und obwohl diese Früchte herbe waren, dass sie den Mund zusammenzogen, so verlieh ihnen doch ein seltsamer Reiz der Neuheit etwas ganz Besonderes. Danach gelangten sie in eine kleine Lichtung, wo auf einem durch Holzhauer von Graswuchs befreiten Flecke eine Anzahl von über mannshohen Königskerzen aufgeschossen war. Aus den Gebüschen am Waldesrande leuchteten die Hagebutten, einige Herbstschmetterlinge gaukelten lautlos umher, und überall hatten die Kreuzspinnen mächtige Netze gewebt, in deren Mitte sie auf die glänzenden Fliegen lauerten, die die Luft durchsummten. Hier war es so einsam und weltverloren, dass Hella wieder die Bangigkeit überkam. "Nun haben wir uns gewiss verirrt!" sagte sie.
"Verirrt?" sagte Fritz sehr wegwerfend, "in dies Holz kann ich mich gar nicht verirren, das weiß ich auswendig. Dies ist doch man bloß der Seebusch. Denk mal, wenn`s der Urwald wär` mit allerhand Tigern und Riesenschlangen drin! Na, die sind hier ja nicht, aber Addern gibt`s hier, und beim See `rum auch Schnaken. Schnaken, die tun nichts, aber die Addern stechen, die sind giftig. Vorig Jahr hat der Jäger eine totgeschlagen, ich hab`sie gesehen, sie haben so`n Zickzack auf`m Rücken."
Hu, wie gruselig war das wieder! Hella drängte sich dichter an Fritz und bat ihn umzukehren.
"Meinswegen", sagte dieser, "aber vor den Addern brauchst du keine Bange zu habe. Unser Rademacher sagt, eine frisch geschnittene Haselrute ist das beste Mittel gegen die Addern, na, und die haben wir ja." Damit fasste er seinen Wurfspieß am dicken ende und ließ ihn wie eine Reitpeitsche durch die Luft pfeifen.
Sie wendeten sich um und gingen in der Lichtung zurück. Auf den dichten Gebüschen des Waldrandes von wilden Rosen, Schlehdorn und jungem Buchengestrüpp lag der Sonnenbrand und brütete würzigen Duft aus, und als sie dort entlang streiften, ward im dem halbtrockenen Grase zu ihren Füßen ein leichtes Rascheln bemerklich, das sich träge auf das Gebüsch zu entfernte. Fritz hatte schnell seine Rute erfasst, und indem er Hella mit der andern Hand zurückschob, sprang er schnell zu und schlug plötzlich auf einen Ort im Grase los. Der tückische Kopf einer Kreuzotter schoss an jener Stelle zischend empor und wütend schnappte das giftige Gewürm in die Luft, bis ihm ein zweiter, besser gezielter Schlag den Gar aus machte.
Fritz sah ganz blaß aus vor Aufregung, obwohl er sich nichts merken lassen wollte.
"Das war`ne Adder!" sagte er, "die hat genug!" Das war ein wunderbares, schreckliches und furchtbares Abenteuer für Hella, sie sah mit Bewunderung auf Fritz und mit Grauen auf das erlegte Giftgewürm, das noch, mit ein wenig verglimmendem Leben erfüllt, zuweilen ohnmächtig die Schwanzspitze regte. Als ein kleiner Held war er ihr damals erschienen, so eine Art Drachentöter, von denen man in Märchenbüchern liest.
Fritz hatte wie jeder ordentliche Junge vom Lande ein tüchtiges Ende Bindfaden bei sich, nebst unzähligen anderen brauchbaren und unbrauchbaren Gegenständen, die seinen Hosentaschen für gewöhnlich das Ansehen zweier knolliger Geschwülste gaben. Er machte eine Schlinge, fing den Kopf der Kreuzotter darin ein und schleifte den glatten Wurm hinter sich her, indem er von Zeit zu Zeit einen befriedigten Blick nach ihm zurücksendete und der etwas verängstigten Hella mit erhabenen Worten Trost einsprach. Diese trippelte neben ihm her in einem Gemisch von Bewunderung und Grauen und geteilt zwischen den unvereinbaren Bestrebungen, dem greulichen Tiere möglichst fern und dabei doch ihrem schützendem Begleiter möglichst nahe zu bleiben. Darum war sie ungemein froh, als sie endlich die Gesellschaft wieder erreicht hatten, woselbst man dem braven Drachentöter einerseits hohes Lob spendete und anderseits an der gruseligen Frage: wie hätte es kommen können, wenn . . .?
Seite: Seite 1 - Am See   Seite 2 - Am See   Seite 3 - Am See   Seite 4 - Am See   Seite 5 - Am See   Seite 6 - Am See   Seite 7 - Am See   Seite 8 - Am See   Seite 9 - Am See   Seite 10 - Am See

Am See und im Schnee:
1. Am See
2. Im Schnee






Nikolaus-Weihnachten.de
copyright © 2006, camo & pfeiffer



Weihnachtsgeschichte: Am See und im Schnee - Am See.


Nikolausgedicht