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Der Weihnachtsabend

Erstes Kapitel. Marleys Geist.

Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens - Seite 9
Übersetzer: Richard Zoozmann

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"Mensch, mit der irdisch- gesinnten Seele, " entgegnete der Geist, "glaubst du an mich, oder nicht?"
"Ich glaube," sagte Scrooge, "ich muss glauben. Aber warum wandeln Geister auf Erden, und warum kommen sie zu mir?"
"Von jedem Menschen wird verlangt, dass seine Seele unter seinen Mitmenschen wandle, in der Ferne und in der Nähe," antwortete der Geist, "und wenn diese Seele nicht während des Lebens hinausgeht, so ist sie verdammt, es nach dem Tode zu tun. Man ist verdammt, durch die Welt zu wandern - ach, wehe mir! - und zu sehen, was man nicht teilen kann, was man aber auf Erden hätte teilen können und zu seinem Glücke anwenden sollen."
Und wieder stieß das Gespenst einen Schrei aus und schüttelte seine Ketten und rang die schattenhaften Hände. "Du bist gefesselt", sagte Scrooge zitternd. "Sage mir warum?"
"Ich trage die Kette, die ich während meines Lebens geschmiedet habe", sprach der Geist. "Ich schmiedete sie Glied für Glied und Elle für Elle; mit meinem eigenen freien Willen lud ich sie mir auf, und mit meinem eigenen freien Willen trug ich sie. Ihre Glieder kommen dir seltsam vor?"
Scrooge zitterte mehr und mehr.
"Oder willst du wissen," fuhr der Geist fort, "wie schwer und wie lang die Kette ist, die du selber trägst? Sie war gerade so lang und so schwer, wie diese hier, vor sieben Weihnachten. Seitdem hast du daran gearbeitet! Es ist eine schwere Kette." Scrooge sah auf den Boden herab, in der Erwartung, sich von fünfzig oder sechzig Klaftern Eisenketten umschlungen zu sehen; aber er sah nichts.
"Jakob", sagte er flehend. "Jakob Marley, sage mir mehr. Sprich mir Trost ein, Jakob."
"Ich habe keinen Trost zu geben", antwortete der Geist. "Er kommt von anderen Regionen, Ebenezer Scrooge, und wird von anderen Boten zu anderen Menschen gebracht. Auch kann ich dir nicht sagen, was ich dir sagen möchte. Ein klein wenig mehr ist alles, was mir erlaubt ist. Nirgends kann ich rasten oder ruhen. Mein Geist ging nie über unser Kontor hinaus - merke wohl auf - im Leben blieb mein Geist immer in den engen Grenzen unsrer schachernden Höhle; und weite Reisen liegen noch vor mir."
Scrooge hatte die Gewohnheit, wenn er nachdenklich wurde, die Hand in die Hosentasche zu stecken. Über das nachsinnend, was der Geist sagte, tat er es auch jetzt, aber ohne die augen zu erheben oder vom Stuhl aufzustehn.
"Du musst dir aber viel Zeit genommen haben, Jakob", bemerkte er mit dem Tone eines Geschäftsmannes, obgleich mit vieler Demut und Ehrerbietung.
"Viel Zeit!" sagte der Geist.
"Sieben Jahre tot", sagte sinnend Scrooge. "Und die ganze Zeit über gereist."
"Die ganz Zeit", sagte der Geist. "Ohne Frieden, ohne Ruhe und mit den Qualen ewiger Reue."
"Du reist schnell", sagte Scrooge.
"Auf den Schwingen des Windes", sagte der Geist.
"Du hättest eine große Strecke in sieben Jahren bereisen können", sagte Scrooge.
Als der Geist dies hörte, stieß er wieder einen Schrei aus und klirrte so grässlich mit seiner Kette durch das Grabesschweigen der Nacht, dass ihn die Polizei mit vollem Rechte wegen Ruhestörung hätte bestrafen können.
"O, gefangen und gefesselt," rief das Gespenst, "nicht zu wissen, dass Zeitalter von unaufhörlicher Arbeit sterblicher Geschöpfe vergehen, ehe sich das Gute, dessen die Erde fähig ist, entwickeln kann. Nicht zu wissen, dass ein christlicher Geist in diesem Erdenleben sich selbst belohnende Arbeit genug finden kann, und wenn er auch in einem noch so kleinen Kreise von Liebe wirkt. Aber ich wusste es nicht, ach, ich wusste es nicht!" "Aber du warst immer ein guter Geschäftsmann, Jakob", stotterte Scrooge zitternd, der jetzt anfing, das Schicksal des Geistes auf sich selbst anzuwenden.
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Der Weihnachtsabend:
1. Kapitel: Marleys Geist.
2. Kapitel: Der erste der drei Geister.
3. Kapitel: Der zweite der drei Geister.
4. Kapitel: Der letzte der drei Geister.
5. Kapitel: Das Ende.






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Weihnachtsgeschichte: Der Weihnachtsabend - Erstes Kapitel. Marleys Geist.