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Scrooge
erwachte mitten in einem tüchtigen Geschnarche und setzte sich in dem
Bette in die Höhe, um seine Gedanken zu sammeln. Diesmal hatte niemand
nötig, ihm zu sagen, dass es gerade eins sei. Er fühlte, dass er just
zu der rechten Zeit und zu dem ausdrücklichen Zwecke erwacht sei, um eine
Zusammenkunft mit dem zweiten an ihn durch Jakob Marleys Vermittlung
abgesandten Boten zu haben. Aber bei dem Gedanken, welche seiner Bettgardinen
das neue Gespenst wohl zurückschlagen würde, wurde es ihm ganz
unheimlich kalt, und so schlug er sie mit seinen eigenen Händen
zurück. Dann legte er sich wieder zurück und beschloss, genau
aufzupassen, denn er wollte den Geist in dem Augenblick seiner Erscheinung
anrufen, und wünschte nicht überrascht und erschreckt zu werden.
Leute von keckem Mute, die sich schmeicheln, es schon mit etwas aufnehmen zu
können und immer an ihrem Platze zu sein, drücken den weiten Bereich
ihrer Fähigkeiten mit den Worten aus: Sie wären gut für alles,
vom Brot essen bis zum Menschenverschlingen, da zwischen beiden Extremen ohne
Zweifel ziemlich viel Gelegenheit zur Betätigung ihrer Kräfte liegt.
Ohne gerade zu behaupten, dass es Scrooge soweit gebracht hätte, muss ich
doch von dem Leser den Glauben fordern, dass er auf eine recht schöne
Auswahl von Erscheinungen gefasst war, und das ihn nichts zwischen einem
Wickelkind und einem Rhinozeros allzu sehr in Verwunderung gesetzt hätte.
Eben weil er beinahe auf alles gefasst war, war er nicht vorbereitet, nichts zu
sehen; und daher überfiel ihn ein heftiges Zittern, als die Glocke eins
schlug und keine Gestalt erschien. Fünf Minuten, zehn Minuten, eine
Viertelstunde vergingen, aber es kam nichts. Die ganz Zeit über lag er auf
seinem Bette recht in der Mitte eines Stromes rötlichen Lichtes, das sich
über ihn ausgoss, als die Glocke die Stunde verkündigte, und das,
weil es nur ein Licht war, viel beunruhigender als ein Dutzend Geister war, da
es ihn unmöglich erraten ließ, was es bedeute oder was es wolle. Ja,
er fürchtete zuweilen, er möchte in diesem Augenblick ein
merkwürdiger Fall von Selbstentzündung sein, ohne den Trost zu haben,
es zu wissen. Endlich jedoch fing er an zu begreifen, dass die Quelle diese
geisterhaften Lichtes wohl in dem anliegenden Zimmer sein möge, aus dem es
bei nähere Bertachtung zu strömen schien. Wie dieser Gedanke die
Herrschaft über seine Seele bekommen hatte, stand er leise auf, und
schlich in den Pantoffeln nach der Tür. In dem selben Augenblick, wo sich
Scrooges Hand auf die Klinke legte, rief ihn eine fremde Stimme bei Namen und
hieß ihn eintreten. Er gehorchte.
Es war sein eignes Zimmer. Daran ließ sich nicht zweifeln. Aber eine
wunderbare Umwandlung war mit ihm vorgegangen. Wände und Decken waren ganz
mit grünen Zweigen bedeckt, dass er wirklich aussah wie eine Laube, in der
überall glänzende Beeren schimmerten. Die glänzenden, starren
Blätter der Stechpalme, der Mistel und des Efeus warfen das Licht
zurück und erschienen wie eben so viele kleine Spiegel. Eine so gewaltige
Flamme loderte die Esse hinauf, wie dieses Spottbild eines Kamines zu Scrooges
oder Marleys Zeit seit vielen, vielen Wintern nicht gekannt hatte. Auf dem
Fußboden waren zu einer Art von Thron Truthähne, Gänse,
Wildbret, große Braten, Spanferkel, lange Reihen von Würsten,
Pasteten, Plumpuddings, Austerfässchen, glühende Kastanien,
rotbäckige Äpfel, faltige Orangen, appetitliche Birnen, ungeheure
Stollen und siedende Punschbowlen aufgehäuft, die das Zimmer mit
köstlichem Geruch erfüllten. Auf diesem Thron saß behaglich und
mit fröhlichem Angesicht ein Riese, gar herrlich anzuschauen. In der Hand
trug er eine brennende Fackel, fast wie ein Füllhorn gestaltet, und hielt
sie steil in die Höhe, um Scrooge damit zu beleuchten, wie er in das
Zimmer guckte.
"Nur herein", rief der Geist. "Nur herein, und lerne mich besser
kennen."
Scrooge trat schüchtern ein und senkte das Haupt vor dem Geiste. Er war
nicht mehr der hartfühlende, nichtsscheuende Scrooge wie früher, und
obgleich des Geistes Augen hell und
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